Bericht: Blutohr – eine nervige Hundekrankheit

Ja, das Blutohr oder auch Othämatom genannt ist eine ziemlich lästige, unangenehme und vor allem langwierige Verletzung.

Boxer-Mischlingsdame Bienchen kann mittlerweile ein Lied davon singen. Stolze 13 Jahre ist sie nun alt und im Grunde total fit, spielt ausgiebig und lange Ball, tobt über die Wiese wie ein junges Reh. Doch dann von einem auf den anderen Tag wurde das Ohr dick – gut, mit 13 Jahren im Menschenalter wäre sie jetzt schon 91 Jahre, da wird man schon etwas paddelig. Man ging also davon aus, dass sie sich irgendwo gestoßen hat und ein Äderchen geplatzt ist.

Wenn es nicht besser wird…

Da Bienchen eigentlich immer ein sehr gesunder Hund war und die Meinung vertreten wird, dass viele Tierärzte oftmals viel zu früh operieren oder direkt Antibiotika verschreiben, wollte man zuerst abwarten, ob es nicht eventuell von alleine weggeht. Nach einer Woche war es leider immer noch nicht besser – ganz im Gegenteil: das Ohr ist noch dicker geworden, also ab zum Arzt… Der Tierarzt sagte nur, dass es nicht schlimm sei, keine Schmerzen verursacht und nicht lebensbedrohlich sei. Lediglich ein unangenehmes Gefühl für den Hund und man könnte versuchen, es zu Punktieren.

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Der Verband muss es richten

Gesagt, getan: beim ersten Mal lies Bienchen auch alles über sich ergehen, war sehr tapfer und hat keinen Mucks gemacht, obwohl der Arzt fast zweimal eine 20ml Spritzen voll mit Blut und Wundflüssigkeit aus ihrem Ohr gezogen hat.

Jetzt noch einen Druckverband und dann ging es auch schon wieder nach Hause, mit der Aufgabe, diesen Verband mindestens zwei Tage dran zu lassen. Leichter gesagt als umgesetzt, kaum aus der Praxis raus, fing Bienchen auch direkt das Schütteln an und man sah wie der gerade frisch gewickelte Verband im hohen Bogen auf die Straße flog. Der Spaß hat 13 Euro gekostet und wir reden hier nur von dem Verband – aber was tut man nicht alles für den Hund.

Bienchen
Zuhause ging‘s dann richtig los

Also schnell nach Hause und selbst verbinden. Nachdem mindestens 15 verschiedene Wickeltechniken ausprobiert wurden, entschied man sich für den Turban. Anderthalb Tage hielt die eigene Kreation, aber durch das Schütteln und Kratzen war nicht nur das Verbinden vergebens, nein, auch das Ohr war wieder genau so dick wie vorher. Lange Rede, kurzer Sinn: Insgesamt war man noch sieben Mal bei Tierarzt um das Ohr zu punktieren, vor allem, weil es durch das ganze Schubbeln mittlerweile auch beide Ohren betraf. Wobei ein Ohr relativ schnell von innen fest wurde und vernarbte. Es sieht jetzt nicht besonders schön aus, halt wie ein Kohlohr bei Profiboxern, aber das macht überhaupt nichts!

OP? Nein, danke!

Eine Operation bei der die Innenhäute des Ohres Druckknopfartig  zusammengenäht werden, wurde dankend abgelehnt – es kommt gar nicht in Frage, einem 13 Jahre alten Hund noch operieren zu wollen. Vor allem weil dies auch nicht garantiert, dass es endgültig verheilt.

Nachdem Bienchen beim letzten Punktieren den Tierarzt fast attackiert hätte und die kleine Maus aus dem Schlottern gar nicht mehr raus kam, sobald es Richtung Tierarzt ging, musste eine  Entscheidung getroffen werden. Der Tierarzt hatte immer wieder bestätigt, dass es nichts Schlimmes sei und für den Hund nicht bedrohlich ist.  Das Ohr wurde also nicht mehr punktiert, sondern nur noch versucht, das Ohr so gut es geht am Kopf zu fixieren und zu warten, bis das zweite Ohr auch fest wird.

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Do-it-yourself-Verband

Bis dahin zerschnitt man regelmäßig eine Nylonstrumpfhosen und Bienchen hat sich mittlerweile auch an die eigenartige, aber sehr effektive Methode gewöhnt. Sie trägt die Strumpfhose nun seit zwei Wochen. Das Ohr ist zwar noch nicht verhärtet und bis dahin wird es auch noch etwas dauern, aber zumindest ist es nicht wieder dicker geworden. Mittlerweile darf sie sich wieder schütteln, so viel sie möchte, denn das Ohr liegt fest am Körper. Natürlich sollte man alle zwei Tage das Ohr reinigen, da sie dies vorerst nicht mehr selber machen kann.