Gewitter im Gehirn: Diagnose Epilepsie beim Hund

Was ist Epilepsie?

Übersetzt bedeutet Epilepsie „Fallsucht“ und ist ein Sammelbegriff für Ausfallerscheinungen und Krämpfe hervorgerufen durch plötzliche Entladungen von Nervenzellen des Großhirns, die zum Teil zur Bewusstlosigkeit führen können. Bei lang andauernden oder sich oft wiederholenden (Krampf-)Anfällen können auch lebensbedrohliche Situationen für das Tier entstehen.

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, geschlechtsunabhängig und kann vererbt werden. Betroffen sind sowohl Rassehunde als auch Mischlinge. Bei bestimmten Rassen u. a. Australian Shepherd, Golden und Labrador Retriever, Berner Sennenhund,  Border Collie, Dackel, Pudel und Schäferhund und damit auch bei Kreuzungen dieser Rassen tritt die Krankheit häufiger auf. Leider sind beim Hund trotz aufwendiger und kostenintensiver Untersuchungen häufig keine Ursachen zu finden.

 

Wie verläuft Epilepsie?

 

Die ersten Anfälle treten meist im Alter von einem halben bis fünf Jahren auf.

Man unterscheidet drei Phasen eines Anfalls:

  1. In der einleitenden Phase, der Aura, zeigt das Tier ein verändertes Verhalten. Es ist unruhig, anhänglich und hat einen merkwürdigen Blick in den Augen. Kurz: Das Tier verhält sich anders als sonst. Es will meist nach draußen, teils auch umgekehrt.

Diese einleitende Phase kann ein paar Minuten bis einige Tage dauern.

  1. Der eigentliche Anfall, genannt Iktus, beginnt meist mit dem Umfallen des Tieres. Anschließend tritt eine Art Versteifung durch lang anhaltende Krämpfe von Pfoten und Körper auf, der eine Entspannung mit kurz anhaltenden Krämpfen folgt. Der Hund kann während des Anfalls das Bewusstsein verlieren.

Die gesamte Dauer des Iktus beträgt meist nur wenige Minuten. Während des Iktus kann das Tier Urin und Stuhl verlieren und heftig speicheln. Dies ist unabhängig von der Schwere des Anfalls.

  1. Im Zeitraum nach dem Anfall, in der postiktale Phase, sind die Hunde desorientiert, können nur schlecht sehen und sich nur mit Mühe bewegen. Einige Hunde sind während dieser Phase extrem unruhig und laufen rastlos im Haus hin und her.

Die postiktale Phase kann je nach Länge und Härte des Anfalls wenige Sekunden, aber auch einige Tage (und mitunter Wochen) dauern.

 

Wie verhalte ich mich bei einem epileptischen Anfall?

 

Während eines Anfalls kann der Hundehalter nur wenig tun. Ein Anfall, der einmal begonnen hat, kann nicht mehr gestoppt werden. Wichtig ist, dass Sie versuchen ruhig zu bleiben, denn Ihre Angst kann sich auf Ihren Hund übertragen und den Anfall verschlimmern. Halten Sie das Tier auf keinen Fall fest – es könnte Sie und sich verletzen. Man kann allenfalls dafür sorgen, dass sich der Hund durch herumliegende Gegenstände nicht verletzt und zusätzlich sanft auf ihn einreden.

Dokumentieren Sie den Verlauf eines Anfalls zum Beispiel mit dem Handy. Das könnte dem Tierarzt sinnvolle Informationen liefern.

 

Wie behandelt man Epilepsie bei Hunden?

 

Bei Epilepsie treten die Anfälle wiederholt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf. Bei einem einmaligen Anfall oder Anfällen in Abständen von mehr als sechs Monaten besteht aus Sicht von Fachleuten noch kein Grund für eine medikamentöse Langzeitbehandlung. Treten die Anfälle wiederholt und in kürzeren Abständen auf, ist eine konsequente Therapie jedoch dringend anzuraten. Gehen mehrere Krampfanfälle ineinander über, liegt der lebensbedrohliche „Status epilepticus“ vor. In diesem Fall müssen Sie sofort einen Tierarzt aufsuchen!

 

Bleibt die Epilepsie unbehandelt, so besteht die Tendenz, dass die Anfälle mit der Zeit schlimmer werden und damit auch die Schäden, die sie verursachen. Ist die Epilepsie diagnostiziert, stehen dem Tierarzt einige Medikamente, so genannte Antiepileptika, zur Verfügung, um den Hund einzustellen. Die Erkrankung kann jedoch auch damit nicht geheilt werden. Es werden lediglich die Anfälle kontrolliert. In der Regel muss die Therapie lebenslang durchgeführt werden.

 

Die Diagnose Epilepsie bedeutet aber nicht das Ende. Dem Tierarzt stehen verschiedene Therapien zur Verfügung und ein Hund kann, wenn er gut auf seine Medikamente eingestellt ist, sehr gut damit leben.