Mag deine Katze dich wirklich?

Die Frage ist so alt wie die Domestikation der Katze an sich: können Katzen Menschen lieben? Katzenfreunde werden diese Frage wohl fast einstimmig bejahen, empört darüber, dass sie überhaupt gestellt wird. Hundefreunde scheinen jedoch oftmals Katzen jegliche Menschenliebe abzuerkennen. Katzen würden ihre Besitzer töten, wenn sie könnten, heißt es aus deren schandhaften Mündern (was würde wohl ein ausgehungerter Hund mit seinem Besitzer tun?). Auch die Wissenschaft hat sich in letzter Zeit brennend für diese Frage interessiert.

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So hat im Frühjahr 2016 der Neurowissenschaftler Paul Zak das Oxytocin-Niveau von Hunden und Katzen verglichen, wenn Sie mit ihren Besitzern spielten. Eine verstärkte Ausschüttung von Oxytocin, auch bekannt als „Kuschelhormon“, ist der zurzeit beste wissenschaftliche Beweis dafür, dass ein Säugetier ein anderes Säugetier liebt. Es wird auch vom Menschen ausgeschieden, nämlich beim Liebesspiel, oder wenn die Mutter ihr Kind stillt. Es sorgt so für eine stärkere Bindung zwischen zwei Menschen. Was waren nun die Ergebnisse? Zak stellte fest, dass die Ausschüttung von Oxytocin bei Hunden nach einer Spieleinheit mit ihren Besitzern etwa fünfmal höher war, als bei Katzen. Ist es also der definitive Beweis, dass Hunde ihre Menschen mehr lieben als Katzen? Weit gefehlt!

cat-1718998_640Katzenbesitzer wissen, dass ihre Lieblinge ziemlich stark gestresst sein können, wenn sie in eine ungewohnte Umgebung befördert werden – etwa wie das Laboratorium, in dem Zak sein Experiment durchgeführt hat. Bei Stress, da ist sich die Wissenschaft einig, sinkt das Oxytocin-Niveau. Und trotzdem, selbst unter diesen Bedingungen, hatten Katzen 12 Prozent mehr Oxytocin nach einer Spieleinheit, was zugegebenermaßen ein geringerer Wert ist als der Anstieg von 52 Prozent bei Hunden. Wir wissen jedoch alle, dass Hunde sich um einiges einfacher an fremde Umgebungen gewöhnen können, als Katzen, die viel territorialer programmiert sind, als Hunde.

Im englischsprachigen Raum wird oft der folgende Witz erzählt: „Ein Hund sagt: meine Menschen halten mich warm und trocken, geben mir Futter, pflegen mich, und spielen mit mir. Sie müssen Götter sein! Eine Katze sagt: meine Menschen halten mich warm und trocken, geben mir Futter, pflegen mich, und spielen mit mir. Ich muss Gott sein!“  Tatsächlich ist da einiges dran, was wohl alle Katzenfreunde bestätigen würden. Das herrschaftlich-territoriale Denken der Katzen bedeutet allerdings nicht, dass sie uns Menschen nicht gern haben können. Für Katzenfreunde bestätigt die Wissenschaft ohnehin immer wieder nur das, was wir ohnehin schon längst wussten: Katzen lieben uns, aber sie tun es auf ihre unwiderstehliche und unergründliche Weise!